Original Berliner Trödelmarkt

Es ist sein Lebenswerk. 47 Jahre ist Michael Wewerka Inhaber des ältesten und bekanntesten Marktes in Berlin. Mit seiner tschechischen Frau Olga Wewerka führt er den Original Berliner Trödelmarkt an der Straße des 17. Juni, wo sie viele Seelen aus der ganzen Welt unter einem „Dach“ verbinden.

Wie kommt man auf die Idee, einen Trödelmarkt zu gründen?

In den 70. Jahren habe ich mit meiner damaligen Freundin eine Wohnung in Berlin gesucht. Am Ende haben wir uns für eine kleine Wohnung entschieden, zu der aber ein grosser Laden gehörte. Aber womit sollten wir den füllen? So fingen wir an, Sperrmüll zu sammeln, und bald war der Laden voll mit Möbeln und Einrichtungsgegenständen, und das lief gut. Später sind wir nach Hannover gefahren, wo ein berühmter Antikmarkt war. Dort haben wir dann eingekauft und in Berlin immer alles verkauft. Und so kam meine Idee eineN&Nbsp;Markt in BerliN&Nbsp;zu gründen.

Von der Idee zur Realisation ist es meistens ein langer Weg.

Ja ja, wir brauchten viele Genehmigungen, und die Behörden in Berlin waren schon damals sehr langsam, das ist in Berlin schon eine Tradition. Aber tatsächlich… wir haben 1972 den ersteN&Nbsp;Trödelmarkt in BerliN&Nbsp;geöffnet. 15 Jahre waren wir alleine auf dem Markt, dann aber haben Leute gesehen, dass man damit Geld verdienen kann, und es kam Konkurenz. Ein Einbruch kam nach der Wende; die Leute haben sich für neue Sachen interessiert. Heute ist der Markt stabil.

Wie sieht die Seele von ihrem Markt aus?

Es geht nicht nur ums Geld. Ich habe schon 10 Bürgermeister erlebt und ich bin jede Woche für ca. 200 Händler verantwortlich. Man muss schon ein Psycholog sein, um mit allen klar zu kommen. Mit manchen verbindet mich eine Beziehung über Jahrzehnte, ich war schon bei vielen Beerdigungen.

Was für eine Rolle spielt das Wetter?

Bei schlechtem Wetter läuft das Geschäft besser als bei Sonnenschein. Wir haben seit 1972 jedes Wochenende offen, ob es schneit, stürmt oder über 30 Grad ist.

Was macht Ihnen Freude, wenn Sie zurückblicken?

Erstens bin ich stolz, dass wir es so lange durchgezogen haben. Und zweitens, dass wir mit unserer Arbeit keine Ressourcen zerstören, im Grunde sind wir eine Recycling-Firma.

Haben Sie überlegt, mit dem Markt auch nach Prag zu gehen?

Tatsächlich habe ich mit deN&Nbsp;Gedanken gespielt. Aber ich denke, es ist einfacher, wenn die Händler zu uns kommen. Tschechische Möbel, Schmuck, böhmisches Glas, Kronleuchter oder auch Handwerk und Designkleider, das hat in Berlin schon immer einen guten Ruf gehabt. Mein Großvater war aus Jablonec, meine Frau ist aus Prag… die Tschechen sind bei mir besonders willkommen.

Foto: Zuzana Richter, Danuše Siering

9. 1. 2020